Wer erhält einen öffentlichen Bauauftrag? Neben dem Preis spielt auch die Qualität des Angebots eine Rolle. Der Vergabemonitor Sommer 2026 von Bauenschweiz zeigt, welches Gewicht sie bei Bauleistungen hat. Für Bauunternehmen lohnt sich ein genauer Blick.
Qualität hat Gewicht: Was die 45,1 Prozent bedeuten
Der Bericht weist für Bauleistungen eine mittlere Gewichtung der Qualitätskriterien von 45,1 Prozent aus. Vereinfacht gesagt: In der ausgewerteten Bewertung bekommt Qualität einen erheblichen Teil des Gewichts.
Die Zahl bedeutet nicht, dass 45,1 Prozent der Bauaufträge wegen besonders guter Qualität vergeben wurden. Sie beschreibt die Gewichtung in den erfassten Ausschreibungen. Es ist auch keine feste Vorgabe für jedes einzelne Projekt.
Die Sommerausgabe berichtet über das zweite Quartal 2026. Der ausgewiesene Wert ist ein Jahresmittel aus diesem und den drei vorangehenden Quartalen. Grundlage sind Daten der öffentlichen Ausschreibungsplattform simap.ch. (Bauenschweiz: Vergabemonitor Sommer 2026, Tabelle 13 und Methodik)
Der Preis bleibt wichtig
Aus den Zahlen lässt sich kein Abschied vom Preiswettbewerb ablesen. Bei Bauleistungen liegt die Qualitätsgewichtung unter der Hälfte. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Wert zudem leicht zurückgegangen. Der Bericht zeigt somit keinen neuen Qualitätsschub bei Bauleistungen.
Für ein Bauunternehmen bleibt die konkrete Ausschreibung entscheidend: Welche Leistungen werden verlangt? Wie werden Preis und Qualität bewertet? Der Überblick des Monitors ersetzt diesen Blick auf den einzelnen Auftrag nicht.
Bauenschweiz beschreibt mit dem Vergabemonitor einen Wandel hin zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit. Wie weit dieser Wandel in der Praxis reicht, untersucht der Verband regelmässig anhand der Ausschreibungsdaten. (Bauenschweiz: Hintergründe zum Vergabemonitor)
Unterschiedliche Aufträge, unterschiedliche Gewichtung
Der Vergleich mit der Planung zeigt, wie unterschiedlich öffentliche Aufträge bewertet werden. Bei Ingenieurleistungen erreicht die Qualitätsgewichtung im selben Bericht 67,5 Prozent, bei Architekturleistungen 63,1 Prozent. Beide Werte liegen deutlich über den 45,1 Prozent bei Bauleistungen.
Wer vom öffentlichen Baumarkt spricht, sollte diese Bereiche deshalb auseinanderhalten. Die hohe Qualitätsgewichtung eines Planungsauftrags lässt sich nicht einfach auf einen Auftrag für Bauarbeiten übertragen.
Für Bauunternehmen zeigt der Monitor damit ein gemischtes Bild: Qualität hat einen festen Platz in der Bewertung. Ein allgemeiner Vorrang der Qualität gegenüber dem Preis lässt sich aus dem Wert für Bauleistungen jedoch nicht ableiten.
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Wie sich zusätzliche Mitarbeitende für einzelne Bauphasen einplanen lassen, lesen Sie im Beitrag Temporärarbeit im Bau: Vom Notbehelf zum Steuerungsinstrument.
Häufige Fragen zu Qualität bei öffentlichen Bauaufträgen
Nein. Die Zahl beschreibt, welches Gewicht die Qualitätskriterien in der Auswertung erhalten. Sie sagt nicht, warum ein bestimmtes Unternehmen einen Auftrag gewonnen hat. Für den einzelnen Auftrag zählt die jeweilige Ausschreibung.
Der Monitor wertet Angaben zu öffentlichen Ausschreibungen auf simap.ch aus. Er beurteilt keine fertiggestellten Bauarbeiten. Die Qualität der Ausführung ist eine andere Frage als die Gewichtung der Kriterien bei einer Ausschreibung.
Der Monitor zeigt Unterschiede: Bauleistungen 45,1 %, Ingenieurleistungen 67,5 %, Architekturleistungen 63,1 %.
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