Baugewerbe wächst bei Umsatz und Beschäftigung
Das Schweizer Baugewerbe ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr gewachsen: Die Umsätze stiegen um 3,1 Prozent und die Beschäftigtenzahl um 1,7 Prozent. Gleichzeitig wurden im gesamten zweiten Sektor, der Industrie und Baugewerbe umfasst, 21,8 Prozent mehr offene Stellen gezählt. Die Zahlen zeigen einen wachsenden Bauarbeitsmarkt, in dem qualifiziertes Personal weiterhin gefragt bleibt.
Das geht aus zwei aktuellen Veröffentlichungen des Bundesamtes für Statistik hervor: der Auswertung der Schweizer Marktbranchen vom 8. September 2026 und dem Beschäftigungsbarometer vom 27. August 2026.
Das Baugewerbe entwickelte sich damit besser als die Industrie. Diese verzeichnete im gleichen Zeitraum einen leichten Umsatzrückgang von 0,3 Prozent, während ihre Beschäftigung um 0,9 Prozent stieg.
Auch der Vergleich mit dem Jahresbeginn zeigt eine anhaltend positive Entwicklung: Bereits im ersten Quartal 2026 waren die Umsätze des Baugewerbes gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent und die Beschäftigung um 1,3 Prozent gestiegen.
Das Baugewerbe hat damit in beiden bisherigen Quartalen des Jahres zusätzliche Beschäftigung aufgebaut. Eine steigende Beschäftigtenzahl bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Unternehmen jede offene Funktion problemlos besetzen können.
Mehr offene Stellen im zweiten Sektor
Zusätzliche Hinweise liefert das Beschäftigungsbarometer des Bundesamtes für Statistik. Im zweiten Quartal 2026 wurden in der gesamten Schweizer Wirtschaft 98’700 offene Stellen gezählt. Das waren 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Besonders deutlich war die Entwicklung im zweiten Sektor, zu dem sowohl die Industrie als auch das Baugewerbe gehören. Dort erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahresquartal um 21,8 Prozent. Die Quote der offenen Stellen erreichte 2,1 Prozent.
Wichtig für die Einordnung: Das BFS weist diese Veränderung für Industrie und Bau zusammen aus. Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich deshalb nicht ableiten, wie viele dieser offenen Stellen ausschliesslich auf das Baugewerbe entfallen.
Auch die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften bleibt anspruchsvoll. Im zweiten Quartal 2026 meldeten 33,9 Prozent der Unternehmen in der Schweiz Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Wert ist nach der Zahl der Beschäftigten gewichtet und bezieht sich auf die gesamte Wirtschaft.
Gegenüber dem ersten Quartal nahm der Anteil um 0,4 Prozentpunkte zu. Im zweiten Sektor verschärfte sich die Situation laut BFS um 0,7 Prozentpunkte. Die Zahlen belegen keinen allgemeinen Mangel in jedem Bauberuf und jeder Region. Sie zeigen jedoch, dass die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeitender für viele Unternehmen schwierig bleibt.
Warum mehr Beschäftigte den Personalbedarf nicht lösen
Auf einer Baustelle zählt nicht nur die Anzahl verfügbarer Personen. Benötigt werden Fachkräfte, die eine bestimmte Aufgabe sicher und möglichst selbständig ausführen können.
Ein Strassenbauer erfüllt andere Anforderungen als ein Maurer, Schaler, Kranführer, Baumaschinenführer oder Elektroinstallateur. Auch innerhalb eines Berufs können sich die Anforderungen deutlich unterscheiden. Relevant sind beispielsweise:
- Erfahrung im Hochbau, Tiefbau, Strassenbau oder Umbau
- Kenntnisse bestimmter Maschinen, Systeme oder Bauverfahren
- notwendige Ausweise und Sicherheitsnachweise
- Erfahrung mit der jeweiligen Projektart
- Sprachkenntnisse für Anweisungen und Sicherheitskommunikation
- Einsatzort, Arbeitszeiten und verfügbare Einsatzdauer
Ein Bauunternehmen kann deshalb grundsätzlich genügend Mitarbeitende beschäftigen und trotzdem für eine bestimmte Bauphase zusätzliches Personal benötigen.
Besonders sichtbar wird das bei Schlüsselpositionen. Fehlt beispielsweise ein erfahrener Kranführer, Baumaschinenführer, Schaler oder Polier, kann dies nicht immer durch eine zusätzliche allgemeine Arbeitskraft ausgeglichen werden.
Personalbedarf frühzeitig und konkret planen
Nicht jeder Personalbedarf lässt sich Monate im Voraus planen. Auf Baustellen können sich Termine, Bauprogramme und Auslastung kurzfristig verändern. Typische Auslöser für zusätzlichen Personalbedarf sind neue oder vorgezogene Aufträge, krankheits- oder unfallbedingte Ausfälle, wetterbedingte Verschiebungen, Terminspitzen oder parallel laufende Bauabschnitte.
Je früher ein absehbarer Personalbedarf erkannt wird, desto besser lässt sich die Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte prüfen. Für eine gezielte Personalanfrage sollten Bauunternehmen insbesondere folgende Punkte festhalten:
- Welche konkrete Tätigkeit soll ausgeführt werden?
- Für welche Projekt- und Bauphase wird die Person benötigt?
- Welche Ausbildung oder Berufserfahrung ist erforderlich?
- Welche Ausweise und Sicherheitskenntnisse sind notwendig?
- Wo befindet sich die Baustelle?
- Wann beginnt der Einsatz und wie lange dauert er voraussichtlich?
- Welche Sprachkenntnisse werden für die sichere Zusammenarbeit benötigt?
Eine Anfrage nach «drei Bauarbeitern» lässt viel Interpretationsspielraum. Ein Profil mit Tätigkeit, Projektart, Erfahrung, Einsatzort, Beginn und Dauer ermöglicht eine wesentlich gezieltere Suche.
Temporärpersonal gezielt einsetzen
Bei schwankender Auslastung kann Temporärpersonal helfen, arbeitsintensive Phasen oder kurzfristige Ausfälle abzufedern. Sinnvoll ist der Einsatz besonders dann, wenn Aufgabe, Zeitraum und benötigte Qualifikation klar definiert sind.
Temporärpersonal löst keinen strukturellen Fachkräftemangel. Es kann Bauunternehmen aber dabei unterstützen, Teams für einzelne Projektphasen zu verstärken und auf kurzfristige Veränderungen zu reagieren.
Entscheidend ist die fachliche Passung. Ein erfahrener Mitarbeiter aus dem Hochbau ist nicht automatisch für jede Tiefbaustelle geeignet. Ebenso reicht eine allgemeine Berufsbezeichnung nicht aus, wenn besondere Maschinenkenntnisse, Führungserfahrung oder Sicherheitsnachweise erforderlich sind.
Mehr zur Rolle flexibler Personalreserven ordnen wir im Beitrag Temporärarbeit im Bau 2026 ein.
Fazit: Wachstum erhöht den Bedarf an passendem Baupersonal
Die BFS-Zahlen sprechen für einen weiterhin aktiven Schweizer Baumarkt. Das Baugewerbe erzielte im zweiten Quartal mehr Umsatz und beschäftigte mehr Menschen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig nahm die Zahl der offenen Stellen im gesamten zweiten Sektor deutlich zu.
Für Bauunternehmen folgt daraus nicht, dass jede Baustelle automatisch unter Personalmangel leidet. Die Zahlen zeigen aber, dass qualifizierte Arbeitskräfte weiterhin gesucht werden und eine präzise Personalplanung wichtig bleibt.
Entscheidend ist nicht allein, wie viele Personen beschäftigt werden, sondern ob für jede Bauphase die notwendigen Qualifikationen verfügbar sind. Eine ausführlichere Einordnung der Auftragslage findet sich auch im Beitrag zur Baukonjunktur 2026.
Wer Schlüsselrollen früh erkennt und den tatsächlichen Bedarf konkret beschreibt, kann bei Ausfällen, Auftragsspitzen oder verschobenen Bauphasen schneller reagieren.
FAQ: Schweizer Bauarbeitsmarkt 2026
Das Schweizer Baugewerbe entwickelte sich in den ersten beiden Quartalen 2026 positiv. Im zweiten Quartal stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent und die Beschäftigtenzahl um 1,7 Prozent. Bereits im ersten Quartal hatten Umsatz und Beschäftigung um 1,5 beziehungsweise 1,3 Prozent zugenommen.
Die Zahl der Beschäftigten im Schweizer Baugewerbe lag im zweiten Quartal 2026 um 1,7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresquartal. Die Zahl stammt aus der Statistik des Bundesamtes für Statistik zu den marktorientierten Branchen.
Die veröffentlichten BFS-Zahlen nennen keine separate Gesamtzahl für offene Stellen allein im Baugewerbe. Für den gesamten zweiten Sektor aus Industrie und Bau wurden im zweiten Quartal 2026 insgesamt 21,8 Prozent mehr offene Stellen als im Vorjahresquartal gemeldet. Die Quote der offenen Stellen lag bei 2,1 Prozent.
Nein. Eine steigende Beschäftigtenzahl zeigt, dass mehr Menschen im Baugewerbe arbeiten. Sie sagt jedoch nicht aus, ob Unternehmen jede benötigte Funktion besetzen können. Engpässe können weiterhin bei einzelnen Berufen, Qualifikationen, Regionen oder kurzfristigen Einsätzen auftreten.
Im zweiten Quartal 2026 meldeten 33,9 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Wert ist nach der Anzahl der Beschäftigten gewichtet und bezieht sich auf die gesamte Schweizer Wirtschaft. Im zweiten Sektor hat sich die Situation gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozentpunkte verschärft.
Der konkrete Bedarf hängt von der Projektart und der jeweiligen Bauphase ab. Häufig gesucht werden unter anderem Maurer, Schaler, Strassenbauer, Kranführer, Baumaschinenführer, Elektroinstallateure, Vorarbeiter und Poliere. Entscheidend ist nicht nur die Berufsbezeichnung, sondern die zur Baustelle passende Erfahrung.
Bauberufe unterscheiden sich hinsichtlich Ausbildung, Erfahrung, Maschinenkenntnissen, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsabläufen. Eine Fachkraft aus dem Hochbau kann deshalb nicht automatisch eine spezialisierte Aufgabe im Tiefbau, Strassenbau oder Elektrobereich übernehmen. Für eine erfolgreiche Vermittlung muss das Anforderungsprofil zur konkreten Tätigkeit passen.
Planbarer Personalbedarf sollte möglichst früh gemeldet werden. Bei bekannten Projektstarts, Ferienabwesenheiten oder intensiven Bauphasen empfiehlt sich eine frühzeitige Anfrage. Bei Krankheit, Terminverschiebungen oder neuen Aufträgen kann zusätzlicher Bedarf auch kurzfristig entstehen. Je genauer das Einsatzprofil beschrieben ist, desto gezielter kann nach einer passenden Fachkraft gesucht werden.
Wichtig sind die konkrete Tätigkeit, die Projektart, der Arbeitsort, der gewünschte Einsatzbeginn und die voraussichtliche Dauer. Hinzu kommen die benötigte Berufserfahrung, erforderliche Ausweise, Maschinenkenntnisse, Sprachkenntnisse und besondere Sicherheitsanforderungen.
Temporärpersonal löst keinen strukturellen Fachkräftemangel. Es kann Bauunternehmen aber dabei unterstützen, kurzfristige Ausfälle, Auftragsspitzen und arbeitsintensive Projektphasen zu bewältigen. Entscheidend sind ein präzises Anforderungsprofil und eine Fachkraft, deren Erfahrung zur jeweiligen Baustelle passt.
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